Ein Großeinsatz im Industriegebiet "Am Goldenen Feld" stellte die Feuerwehr Kulmbach vor einige Probleme, in jeder Hinsicht.

 

Allgemeine Lage:

Im Westen der Stadt siedelte sich eines der drei Industriegebiete an, in dem sich auch das Brandobjekt, eine großzügig gestaltete Freizeithalle mit Bowlingbahnen,

Indoor- Spielbereich, Gastronomie und weitere Freizeitaktivitäten, befand.

Die Halle war im nördlichen Bereich von der Straße „Am Goldenen Feld“ her frei zugänglich, in den anderen Bereichen waren im Abstand von sieben bis zehn Meter

weitere Firmen und ein Autohaus angesiedelt.

Die Zufahrt von diesen Bereichen war nur über enge aber befestigte Wege möglich. 

Die Wasserversorgung in diesem Bereich war durch eine Industrieleitung ausreichend und gesichert.

Des Weiteren fließt in 800 m Entfernung der Weiße Main, der ausreichend Löschwasser führt, vorbei.

Am Brandtag herrschte bewölktes Wetter und eine Temperatur von 18 Grad Celsius, am Nachmittag mit Gewittern und Sturmböen.

Die Anfahrt beträgt vom Feuerwehrzentrum zur Einsatzstelle ca. 3,2 km, für die Stadtteilfeuerwehr Melkendorf ca. 1,7 km.

 

Besondere Lage und Alarmierung:

 

Am Montag, den 23. April 2018, erreichte gegen 03.34 Uhr ein Notruf eines Verkehrsteilnehmers die zuständige ILS Bayreuth/ Kulmbach.

Er berichtete von einer Rauchentwicklung aus der Freizeithalle. Gemäß dem Einsatzstichwort „Rauchentwicklung aus Gebäude, B 3'',

wurden um 03.36 Uhr die Feuerwehr Melkendorf als nächstgelegene und ein Löschzug der Feuerwehr Kulmbach als örtlich zuständig alarmiert.

 

Einsatzablauf:

Gegen 03.38 Uhr rückte der „Brandmeister vom Dienst'', Stadtbrandmeister, SBM Michael Weich, mit dem KdoW zur Einsatzstelle „Am Goldenen Feld“ aus.

Vom Feuerwehrzentrum, FWZ, in Kulmbach folgten in kurzen Abständen die Fahrzeuge LF16/12, DLK23/12, LF16, MZF und TLF20/40-SL

sowie die FF Melkendorf mit dem TSF. Der Rettungsdienst des BRK und die Polizei Kulmbach waren bereits auf Anfahrt.

Nach Eintreffen und kurzer Erkundung ließ der Einsatzleiter, SBM Weich, auf Stichwort B 4, Brand Gebäude groß/ Lagerhalle, erhöhen.

 

 

Vom FWZ Kulmbach rückte der zweite Zug aus, bestehend aus der zweiten DLK23/12, TLF16/24Tr., MZF, LF8, RW2 und der LKW-Dekon,

aus dem Marktbereich Mainleus die FF Mainleus mit MZF, LF16/12, LF10 und die FF Rothwind mit LF10.

Die UG-ÖEL unter der Leitung von ZF Marcel Hocquel übernahm als Ansprechpartner die Einsatzstelle. KBR Stefan Härtlein, KBI Horst Tempel,

KBM Jürgen Hochgesang, KBM Peter Hochgesang, KBM Michael Ködel, KBM Thomas Hoffmann und weitere Kräfte des Rettungsdienstes

und des THW Kulmbach fuhren die Einsatzstelle an.

 

 

 

Die Besatzungen der beiden LF der FF Kulmbach wurden mit vier Trupps unter Atemschutz zum Innenangriff ins Gebäude geschickt.

 

Schon nach dem Öffnen der ersten Türen war eine gewaltige Hitze zu spüren und die Sichtweite der Trupps lag unter einem Meter.

 

Bereits brennende Teile fielen von der Dachkonstruktion, was ein weiteres Vordringen der Trupps erschwerte.

 

 

Im Außenbereich wurden beide Drehleitern mit den Monitoren in Stellung gebracht.

 

Kameraden der Gruppe Absturzsicherung schnitten mit einer Rettungssäge zwei Abluftöffnungen in das Vollblechdach, damit der Rauch abziehen konnte.

 

 

 

RWA' s waren in der Halle nicht vorhanden. 

An der Westseite brachten die Wehren aus Mainleus und Rothwind ebenfalls mehrere Rohre im Innenangriff zum Einsatz.

 

Die Wasserversorgung erfolgte bis dorthin ausschließlich aus dem Hydrantennetz und der Löschwassertanks der Fahrzeuge.

Auf Grund der Lage wurden weitere Atemschutz-Geräteträger, eine weitere Drehleiter und weitere Kräfte zur Löschwasserversorgung nachgefordert.

  

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Einsatzleiter bereits vier Einsatzabschnitte, EA, gebildet: 

 

EA 1, Brandbekämpfung Halle und Drehleiter Nord/Ost, Zugführer FF KU, Markus Babo

EA 2, Brandbekämpfung Halle und Drehleiter West, KBM Michael Ködel                          

EA 3, Brandbekämpfung Süd, KBI Horst Tempel                                                                            

EA 4, Atemschutzlogistik und Einsatz PA-Träger, KBM Thomas Hoffmann. 

Im weiteren Verlauf kam noch der EA 5, Löschwasserförderung vom Weißen Main, KBI Siegfried Zillig, dazu.

KBM Yves Wächter kümmerte sich derweilen um die Pressearbeit.

Die Wehren aus Katschenreuth, Höferänger, Windischenhaig, Schmeilsdorf und Proß sowie Burgkunstadt mit der dritten DLK23/12 wurden dementsprechend an der EST eingewiesen.

In Absprache mit KBR Stefan Härtlein wurden vom Einsatzleiter zwei weitere Löschzüge des Landkreises Kulmbach zur Löschwasserförderung und Gebietsabsicherung nachalarmiert.

 

Das THW Kulmbach hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Ausleuchtung der gesamten Einsatzstelle übernommen.

Die Energieversorger hatten Strom und Gaszufuhr unterbrochen und standen dem Einsatzleiter beratend zur Seite, wegen der Wasserversorgung Mitarbeiter der Stadtwerke Kulmbach.

Ein MZF der FF Kulmbach wurde für eine zentrale Sammelstelle für die Atemschutz- Geräteträger abgestellt. Im Einsatzverlauf kamen 86 PA Träger zum Einsatz.

Da nach einer Stunde noch kein Löscherfolg zu erkennen war, entschloss man sich weitere Öffnungen in die Blechverkleidung zu schneiden.

Dabei kam es im südlichen Bereich der Halle zu einer massiven Durchzündung mit starker Rauchentwicklung.

 

So mussten sich alle Atemschutzträger kurzfristig aus dem Gebäude zurückziehen.

 

 

 

 

Die Brandbekämpfung wurde trotzdem über die drei Monitore der Drehleitern und über tragbare Werfer an den Eingangstüren fortgesetzt.

 

Vorsichtshalber wurde auch eine doppelte B-Leitung zum Main aufgebaut, die aber nicht mehr benötigt wurde, EA 5.

 

Hier kamen der SW2000Tr der FF Kasendorf und die 500 m Schlauchpakete der FF Rothwind und der FF Lehenthal zum Einsatz.

Die Wehren Peesten, Azendorf, Sanspareil und Schirradorf unterstützten diese Aktion und stellten zusätzliche PA-Träger.

Der erste Löschzug des LKR Kulmbach unterstützte von der „Von-Linde-Straße“ her die Löscharbeiten. Hier musste u.a. ein großer Baum gefällt werden,

um an das Brandobjekt zu gelangen. Die Wehren aus Grafengehaig, Presseck, Triebenreuth und Wartenfels kamen hier zum Einsatz.

Nach einem massiven Innenangriff mit zwölf C-Rohren, konnte die Einsatzleitung gegen 06.30 Uhr „Feuer unter Kontrolle“ an die ILS melden.

Allerdings ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand, dass sich die Nachlöscharbeiten bis zum Abend hinziehen sollten.

So wurde von einem benachbarten Unternehmen ein großer Abrissbagger angefordert, der mehrere großflächige Öffnungen in das Aluminiumdach schaffte.

 

Jetzt konnte der Brandrauch abziehen und die Nachlöscharbeiten gezielt erfolgen. Hier unterstützte auch wieder das THW Kulmbach mit technischem Gerät und Mannschaft.

 

 

Da nun der Einsatz schon über vier Stunden lief, wurden die Einsatzkräfte vom BRK mit warmen Getränken und Essen versorgt.

Dafür stellte das THW Kulmbach ihre Unterkunft, 200 m vom Brandort entfernt, zur Verfügung. Eine Besatzung nach der anderen konnte so verpflegt werden.

 

  

Zu jeder vollen Stunde fanden am ELW2 Besprechungen der Abschnittsleiter mit Einsatzleiter, dem THW, dem BRK, der Polizei und den Fachbehörden statt.

Neue Erkenntnisse wurden sofort in die weiteren Einsatzaufträge eingearbeitet.

Dem Einsatzleiter standen KBR Stefan Härtlein, KBI Thomas Limmer,

KBM Peter Hochgesang, KBM Jürgen Hochgesang, KBM Jan Passing,

KBM Stefan Heidenreich und die schon erwähnten Abschnittsleiter zur Verfügung.

Ebenfalls zur Verfügung stand der Feuerwehrnotfallseelsorger Pfarrer Michael Schaefer.                                                                           

Landrat Klaus Peter Söllner, Oberbürgermeister Henry Schramm und Vertreter der Fachbehörden machten sich ein Bild an der Einsatzstelle.

 

Als neue Herausforderung erschien das Gesundheitsamt Kulmbach noch während der Löscharbeiten an der Einsatzstelle und das Entnehmen des Löschwassers

aus dem Hydrantennetz unter die Lupe nahm und den Verlauf der Löschwassereinspeisung in die wasserführenden Fahrzeuge zu dokumentierten.

Rückflußverhinderer/Systemtrenner gibt es bei der Feuerwehr Kulmbach noch nicht und das könnte zu Schwierigkeiten

wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Trinkwasserverordnung führen.

 

Gegen 09.45 Uhr konnten die ersten auswärtigen Feuerwehren an ihre Standorte zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt waren im Gebäude keine offenen Flammen mehr sichtbar.

Allerdings mussten bis zum späten Nachmittag immer wieder kleinere Brandnester abgelöscht werden.

 

Nach ersten Schätzungen geht der Schaden in die Millionenhöhe. Zur Brandursache hatten die Brandfahnder der Kripo Bayreuth die Ermittlungen aufgenommen.

 

 

Im morgendlichen Berufsverkehr kam es zu erheblichen Behinderungen rund um die Einsatzstelle. Jeder konnte aber seinen Arbeitsplatz im Industriegebiet erreichen

 

und auch die Speditionen konnten mit kleineren Umwegen die Firmen anfahren.

 

Auch diese Aufgabe der Verkehrsabsicherung übernahm dankenswerter Weise das THW Kulmbach.

 

 

Am Abend und am Folgetag wurden Nachkontrollen an der Einsatzstelle durchgeführt. 

 

Es mussten aber keinerlei Nachlöscharbeiten mehr durchgeführt werden. Die EST war kalt.

 

Kräfteübersicht:

Stadt Kulmbach:

FF Kulmbach:  KdoW, LF16/12, LF16, LF8, zwei DLK23/12, TLF16/24Tr., TLF20/40-SL, TLF16/25, RW2, ELW2, drei MZF, LKW-Dekon

FF Melkendorf:  TSF

FF Höferänger:  TSF

FF Lehenthal:    TSF

FF Katschenreuth:   TSF

FF Windischenhaig:   TSF

  

Landkreis Kulmbach:

UG-ÖEL:   ELW2

FF Mainleus:   MZF, LF16/12, LF10

FF Rothwind:  LF10

FF Schmeilsdorf:  MLF

FF Proß:  TSF-W

FF Kasendorf:   LF16/12, SW2000Tr

FF Schirradorf:  HLF10

FF Azendorf:  TLF16/25

FF Peesten:   TSF

FF Grafengehaig:  MZF, LF16/12

FF Presseck:  TLF16/25

FF Wartenfels:  TSF-W

FF Reichenbach:  TSF

  

Landkreis Lichtenfels:

FF Burgkunstadt:   DLK23/12

  

Führungskräfte Landkreis Kulmbach:

Florian Kulmbach Land 1, 3, 4, 5, 1/2, 1/3, 1/6, 2/3, 4/2, 4/3, 5/2

  

Feuerwehr gesamt:       204 Dienstleistende

 

THW Kulmbach;            Sieben Fahrzeuge und 33 Helfer

 

Rettungsdienst:             Acht Fahrzeuge und 30 Personen

 

Polizei:                          Drei Fahrzeuge und sieben Beamte

 

  

Kulmbach, April 2018

Michael Weich, Stadtbrandmeister und stellvertretender Kommandant der FF Kulmbach

Einsatzleiter und Autor

 

 

 

 


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